cbt Cover - Teufelsengel

Imke

 

Spiegelbilder

 

Monika Feth und Imke Thalheim. Zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten
und die doch eines gemeinsam haben: sie beide sind Schriftstellerinnen.
Die eine in der wirklichen Welt, die andere in der fiktiven.
Zitate von Imke Thalheim aus den Jette-Thrillern – die Monika Feth erschüttern,
als sie sie nun gesammelt vorgelesen bekommt: „Oh Gott!
Und ich war wirklich davon überzeugt, nicht über mich selbst zu schreiben …“

 
Monika Feth

© Isabelle Grubert

„Der Alltag war voller Geschichten. Man musste sie nur finden. Und dann in ein Stück Literatur verwandeln. Keiner ihrer Texte war autobiografisch und trotzdem war in all ihren Büchern ihr wirkliches Leben spürbar. Wenn man genau hinhörte.
Von Anfang an war das Schreiben für sie auch Überlebensstrategie gewesen. Es ließ sie die Wirklichkeit ertragen. Sie konnte Gott sein und Teufel. Heute eine Welt erschaffen und sie morgen zerstören oder durch eine andere ersetzen. Ganz wie es ihr gefiel.
Sie hatte jederzeit unterscheiden können zwischen Realität und Fiktion. Mittlerweile hatte sie manchmal den Eindruck, jemand würde ihr den Text diktieren. Jemand, der sich in ihrem Kopf eingenistet hatte und in ihren Gefühlen, der jede Nuance ihrer Empfndungen wahrnahm und prompt darauf reagierte. Sie hatte sich immer von ihrem Unterbewusstsein leiten lassen, hatte sich oft staunend gefragt, woher sie die Sätze nahm, die vor ihr auf dem Monitor erschienen wie die Gedanken eines andern. Manchmal stolperte sie bei Lesungen über Worte, die sie geschrieben haben musste, an die sie sich jedoch überhaupt nicht erinnern konnte.
Auch mit den Figuren war das so. Einige waren da, ohne dass sie sie sich vorher ausgedacht hatte. Als würde eine innere Stimme sie ihr diktieren. Sie war dankbar für diese Fähigkeit, aus dem Nichts etwas zu erschaffen und es mit Leben zu füllen. Aber sie grübelte nicht gern darüber nach. Vor allem musste sie Abstand zum Täter halten. Es machte sie ganz nervös, dass es ihr problemlos gelang, in seine Haut zu schlüpfen und seine Gedanken nachzuvollziehen. Es war ihr wichtig, Position zu beziehen. Sie hatte nicht vor, die Taten eines Mörders zu rechtfertigen, und sei es nur auf dem Papier.
Ihr wurde unheimlich, wenn sie dem Ursprung ihrer Figuren auf den Grund zu gehen versuchte. Vielleicht war sie auf eine gewisse Weise verrückt. Brachte ihren Wahnsinn zu Papier (besser gesagt, auf den Bildschirm), verfremdete ihn und befreite sich auf diese Weise davon. Vielleicht war das ihre Rettung vor der Psychiatrie.
Manche Bücher waren auf eine Weise wirklich, die sie zutiefst verstörte. Die Figuren kamen ihr viel zu nah. Sie waren Teil ihrer selbst, vertrauter beinah als die Frau, die sie beim Blick in den Spiegel sah. Vielleicht waren sie die Wirklichkeit, während die Welt nur Einbildung war.“