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Fragen und Antworten

 

»Eigentlich schreibe ich für Menschen von zwei bis hundertdreißig«

 

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Monika Feth beantwortet häufig gestellte Fragen aus Leserzuschriften. Wer seine Frage hier nicht beantwortet sieht und sie der Autorin persönlich zukommen lassen möchte, kann ihr eine E-Mail senden: kontakt@monika-feth.de.

 

Waren Sie gut in der Schule?

Ich war auf einer Klosterschule und habe meine Schulzeit in denkbar schlechter Erinnerung. Bis zur Oberstufe waren all meine Lehrerinnen Nonnen und die meisten von ihnen waren nicht nur sehr streng, sondern leider auch absolut humorlos. Zwar war Deutsch mein Lieblingsfach, aber meine Lehrerinnen waren der Meinung, ich hätte zu viel Fantasie und unter jedem meiner Aufsätze stand in ihrer gleichförmigen, kleinen, roten Schrift, ich solle lernen, meine Fantasie zu zügeln, um endlich einmal einen ordentlichen Aufsatz hinzubekommen.

Eine meiner Lehrerinnen, die noch heute als alte Frau in dem Kloster lebt, hat inzwischen einige meiner Bücher gelesen und mir einen begeisterten Brief geschrieben, in dem sie schreibt, die Schule sei stolz darauf, jemanden wie mich hervorgebracht zu haben ;-)

Ich war eine mittelmäßige Schülerin, die sich in den meisten Fächern entsetzlich gelangweilt hat.

Haben Sie schon als Kind geschrieben?

Nein. Ich hatte immer das Gefühl, Fantasie sei etwas Verbotenes.

Wollten Sie schon immer Schriftstellerin werden?

Das hätte ich mir nie zugetraut. Es ist ganz zufällig passiert. Während der Vorbereitungszeit auf das Examen hat sich einer meiner Kommilitonen aus Angst vor einer Prüfung das Leben genommen. Um das niemals zu vergessen und um zu zeigen, welche Folgen Leistungsdruck haben kann, habe ich mein erstes Buch geschrieben.

Für wen schreiben Sie Ihre Bücher?

Ursprünglich habe ich für Erwachsene geschrieben. Später auch für Kinder. Seit einigen Jahren schreibe ich mit großer Begeisterung hauptsächlich Bücher für Jugendliche. Da es den Erdbeerpflücker inzwischen auch als Ausgabe für Erwachsene gibt, hat sich der Kreis geschlossen und ich bin wieder bei Büchern für Erwachsene angekommen. Eigentlich schreibe ich für Menschen von zwei bis hundertdreißig.

Haben Sie eine Familie?

Ich bin verheiratet. Unser Sohn wohnt nicht mehr bei uns. Er studiert in einer anderen Stadt. Mein Mann und ich leben mit unserem Kater Diego in einem Haus, in das wir uns vor Jahren auf den ersten Blick verliebt haben.

Woher haben Sie die Ideen für Ihre Bücher?

Die bekomme ich im ganz normalen Alltag. Ich liebe es, in einem Café zu sitzen und die Leute zu beobachten. Mir fallen sofort Geschichten zu ihnen ein. Ich habe immer Schreibzeug bei mir. Habe ich es vergessen, decke ich mich unterwegs mit neuem ein. Eigentlich kommen mir ständig Ideen, beim Lesen, beim Einkaufen, beim Musikhören, beim Autofahren. Geschichten sind überall. Man muss sie nur finden.

Wo arbeiten Sie?

Im kleinsten Zimmer unseres Hauses. Mein Arbeitstag beginnt gegen acht Uhr morgens und endet, wenn ich mich in einer intensiven Schreibphase befinde, nicht vor acht Uhr abends. Am liebsten schreibe ich morgens, dann sind die Gedanken noch frisch. Nachmittags erledige ich meistens die anderen Arbeiten, die anfallen. Die meisten davon sind sterbenslangweilig und ich mag sie nicht, weil sie mich beim Schreiben stören, zum Beispiel die Unterlagen für die Steuerberaterin zusammenzusuchen. Andere mag ich sehr, vor allem die Stunde am Tag, in der ich regelmäßig die Mails meiner Fans beantworte.

Wie lange brauchen Sie für ein Buch?

Manchmal tut mir Zeitdruck sehr gut, dann schaffe ich es, einen Roman in einem halben Jahr zu schreiben. Wenn ich mir Zeit lassen kann, brauche ich etwa ein Jahr. Für den Roman „Die blauen und die grauen Tage“ habe ich (einschließlich Recherchen) vier Jahre gebraucht. Das hängt vom einzelnen Buch ab und davon, wie oft ich das Schreiben etwa durch eine Lesereise unterbrechen muss. An einem Bilderbuchtext bastle ich manchmal monatelang, bis ich zufrieden bin. Manchmal schreibe ich ihn in einem Tag.

Wie informieren Sie sich über die Themen?

Vor jedem Buch recherchiere ich gründlich. Als ich den Erdbeerpflücker, schrieb, meinen ersten Psychothriller, habe ich zu allererst einen Polizeibeamten über die Arbeitsweise der Polizei ausgefragt. Für meinen Thriller „Der Scherbensammler“ habe ich mich von einer Psychologin beraten lassen und mehrere Fallstudien gelesen. „Die blauen und die grauen Tage“ habe ich erst geschrieben, nachdem ich mich mit Ärzten unterhalten, Bücher zum Thema Altersdemenz studiert und mich in Altersheimen umgesehen hatte. Die Informationen für „Fee“ habe ich hauptsächlich von der Mutter des Mädchens bekommen, die das Vorbild für meine Fee war.

Ich kann nur über das schreiben, was ich wirklich kenne. Ich muss mich in die Figuren, die ich begleite, hineinversetzen können. Es gibt in meinen Augen keinen schlimmeren Fehler, als ein Buch über ein Thema zu schreiben, von dem man nichts versteht.

Schreiben Sie in Ihren Büchern auch über sich selbst?

In jeder meiner Romanfiguren steckt ein Stück von mir selbst. Beim Schreiben verwandle ich mich immer ein bisschen in denjenigen, von dem ich erzähle. Im Gegensatz zu den meisten Menschen darf ich als Autorin viele unterschiedliche Leben leben. Das macht diesen Beruf für mich so aufregend.

Natürlich finden sich manchmal auch persönliche Erlebnisse in meinen Büchern wieder. So zum Beispiel die Szene in „Der Mädchenmaler“, in der Imke Thalheim dem weißen Pferd begegnet. Oder ich beschreibe Orte, die ich kenne, wie zum Beispiel die alte Mühle, die Imke bewohnt (Erdbeerpflücker, „Mädchenmaler“, „Scherbensammler“, „Schattengänger“) oder die Stadt Bröhl, in der Jette und Merle ihre WG haben (sie heißt in Wirklichkeit Brühl).

Die Figuren selbst und die meisten Orte und Handlungen sind ausgedacht. Ich habe nur ein einziges Mal über einen Menschen geschrieben, den es tatsächlich gegeben hat – „Fee“, ein zärtliches, stilles Buch über ein Mädchen aus einem Nachbarort, das mit zwanzig Jahren an einer sehr seltenen Krankheit gestorben ist.

Freuen Sie sich, wenn Sie für eins Ihrer Bücher einen Preis bekommen?

Für meine Bücher habe ich viele Auszeichnungen bekommen. Am meisten habe ich mich über den Preis der Leseratten für den Roman „Und was ist mit mir?“ gefreut, weil er von einer Jury aus Kindern und Jugendlichen vergeben wurde. Für die schreibe ich nämlich, nicht für die Leute, die in Erwachsenenjurys sitzen.

Schreiben Sie für Kinder anders als für Jugendliche oder Erwachsene?

In meinen Kinderbüchern geht es ebenso realistisch zu wie in meinen Büchern für Erwachsene und Jugendliche. Selbst in den Bilderbüchern beschreibe ich keine heile Welt, denn die gibt es nicht.

Welche Ihrer Bücher sind am bekanntesten geworden?

Das ist unter den Bilderbüchern sicherlich „Der Gedankensammler“, der übrigens ein Bestseller in Brasilien geworden ist. Unter den Kinderbüchern ist es vor allem der Roman „Die blauen und die grauen Tage“ – die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat diesen Titel inzwischen für die Bezeichnung von Demenzerkrankungen übernommen, was mich sehr freut. Bei den Jugendbüchern sind es die Jette-Thriller, die einen Riesenerfolg haben.

Wollen Sie ebenfalls Ihre Frage an dieser Stelle von der Autorin beantwortet sehen? Dann kontaktieren Sie Monika Feth per E-Mail: kontakt@monika-feth.de.